Biographie
Kurzbiografie - Der Anfang
Kurzbiografie - Die Mitte
Kurzbiografie - Lehrer und zurück
Zu meinen Texten
Wassil Dimow
Mein bulgarischer Großvater, 1878-1941, nach dem ich benannt worden bin, war Maler und Lehrer in Sofia. Er hatte dort auch eine Kunstzeitschrift gegründet, in die er sein Gehalt gesteckt hat. Einige der sehr teuren Reproduktionen, die er dafür in Italien machen ließ, sind bis auf mich gekommen. Er hatte in Florenz studiert, dort seine Frau gefunden, Italia Fusai, und ist mit ihr zurück nach Bulgarien gezogen. Zwei Töchter: Florentina und Fiorella und der Sohn Dimtscho. Vielleicht ist das einer der Fäden, die mich manchmal nach Italien ziehen - und sei es nur auf Bildern.
Mein Vater Dimtscho W. Dimow, 1909-1997, hat 1944 seinen Doktor der Wirtschaftswissenschaften in Wien gemacht. So hat er meine Mutter Dorothea Wolter, 1915-1999, kennengelernt, die aus Berlin nach Wien gekommen war, um hier an der Akademie der bildenden Künste Graphik zu studieren. Die beiden haben am 6. April 1945 in Wien IX geheiratet, als die Russen schon in Wien X waren. Ich wurde am 31. August 1945 im Goldenen Kreuz, Wien IX, geboren. Meine Schwester Christina kam im März 1947 auf die Welt.
Unsere Mutter hatte in Berlin an der Textil- und Modeschule gelernt und dann gleich dort unterrichtet. Die zarten Aquarell-Märchenzeichnungen aus den ersten Wiener Jahren zu Geschichten von Herrn Gigler, deren Typoskripte sie dafür sehr penibel überarbeitet hatte, haben mich von Kindheit an sehr beeindruckt. Diese Blätter waren stark beeinflusst von den Arbeiten von Ruth Koser-Michaelis, voll von Faltenwürfen, grotesken Einfällen und liebevollen Einzelheiten.
Sie hat unserer Familie einen Gutteil des Lebensunterhaltes “erzeichnet”: bei der Kinderzeitung “Unsere Zeitung”, mit Kinderbüchern für verschiedene Verlage, als Graphikerin für den Buchklub der Jugend - dabei ist ihr das frühere frische Selbstvertrauen verloren gegangen. Gemalt hat sie bis zum Schluss 1999, aber nie mehr so penibel wie einst.
In der Volksschule Wien Dornbach wurde ich von der Lehrerin Gertrude Spielvogel sehr gefördert. Ich konnte Theater spielen und durfte die Dekorationen auf die Tafel malen. Die Pendeluhr für die Sieben Geißlein ist mir noch immer ganz deutlich. Im Gymnasium Wasagasse hat mich der Zeichenlehrer Franz Katzer behütet. Er war 1973 in meiner ersten Ausstellung im Künstlerhaus und hat mich aufrichtig beglückwünscht.
Nach der fünften Klasse ein Schulwechsel vom Gymnasium zu fünf Jahren Handelsakademie I - ein sich ständig steigerndes Elend, das ich im letzten Jahr fast nurmehr geschwänzt habe, um in den Laaerberg-Feldern oder Hausruinen zu zeichnen und auf Künstler zu tun.
1965 kam ich dann wirklich an die Akademie der bildenden Künste Wien. Professor Sergius Pauser hat mich aufgenommen - erst nur fürs Lehramt, dann durfte ich aber doch in die Meisterklasse für Mischtechnik. Die war voller hoffnungsfroher Wiener Schule-Adepten. Ernst Fuchs wollte sie so gerne übernehmen und stand oft vor der Tür. Der Assistent Hans Jörg Vogel hat meine Anfänge und Fortschritte sehr unterstützt. Gut.
Studienkollege vom ersten Tag an war Hans Praetterhoffer (sic). Wir bekamen bald einen Extraraum fürs Modellzeichnen: Kopf und Akt und viel Freiheit. Im zweiten Jahr hat Hans eine fulminante Cranach-Kopie nach dem Original aus der Sekundär-Galerie gemalt. Mit seinen Farbresten hab ich mein erstes Mischtechnikbildchen gemalt (10,5×15,5).
Die Pauser-Klasse wurde schließlich von Rudolf Hausner übernommen. Der kam als frischer Wind aus Hamburg: die dunklen Ölfußböden wurden abgeschliffen und versiegelt, zwei Reihen deprimierend weiße Pressspan-Kojen für die Studierenden wurden aufgestellt - für die Elite gabs einen Sonderraum. Das war 1968/69 - das denkwürdige Jahr mit einem abruptem Ende. Ich habe das trockene Kündigungsschreiben von Rudolf Hausner noch. Meine Diplombilder aber hat er in der Abschluss-Ausstellung 1970 zu denen seiner Absolventen hängen lassen, “weil sie dort hin gehören”. Das hat mich gefreut.
Christof Subik, der zur Malerei auch noch Philosophie studierte, hatte ich 1968 kennengelernt. Mit ihm gab es die oben in der Zeichnung erwähnten studentischen Umtriebe bis hin zum Ausmalen in der Chinesischen Botschaft: ein Rotes Buch und eine Mao-Plakette als Geschenk von Herrn Wong - und von da an gab es immer wieder fruchtbare künstlerische Gemeinsschaftsarbeiten und -projekte bis 2019.
Das Diplom habe ich 1970 für Malerei bekommen, nach einem kurzen Gastspiel in der Graphikklasse Maximilian Melcher, der zur Studienzeit meiner Mutter dort der Assistent von Prof.Martin war.
Die Druckpresse war dort nie frei, ich ging nicht mehr hin, sondern malte an meinen Diplombildern. Für den Abschluss wurde ich amtlich der Klasse Elsner zugeteilt. Meine Diplombilder haben schließlich zur ersten Einzelausstellung 1973 in der Künstlerhaus-Galerie geführt. Die Generalsekretärin Inge Zimmer-Lehmann hatte mich unter ihre Fittiche genommen. Das war gut, war wichtig und hat viel bewirkt für den Anfang.
Als Selbständiger hatte ich über 30 Einzelausstellungen absolviert, als ich 1992 ziemlich unabsichtlich als Lehrer für Bildnerische Erziehung in Freistadt angestellt worden bin. Aus den damals angedachten fünf Jahren sind 17 Jahre Oberstufenunterricht mit Pensionsanspruch geworden - eine künstlerische Latenzperiode mit prägenden Erfahrungen, die ich sonst nie gemacht hätte. Danke!
Seit 2011 beackere ich meine Themenfelder neu und stelle wieder aus.
Freistadt, Februar 2025
meine ausstellungstexte
Frankfurt 1976, Austrian Airlines
Frankfurt 1976, Austrian Airlines
Wien, Galerie Hilger 1985
München 1986, Schauraum
Wien 1986, Galerie Mana, zu den Regalbildern 1. Teil
Wien 1986, Galerie Mana, zu den Regalbildern 2.Teil
Wien 1992, Galerie Mana
Wien 2012, Galerie Mana
Wien 2012, Galerie Mana
Wien 2015, Galerie Mana
Hagenbrunn 2017
Freistadt 2020, Brauhausgalerie